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Der deutsche Bürger ist gesetzestreu – aber
halt auch erfinderisch. Besonders die Raucher und Gastwirte
demonstrieren allüberall ihren Erfindungsreichtum, um den Glimmstengel
doch nicht total aus dem öffentlichen Raum verdrängen zu müssen. Und
mitunter tun sich die Behörden schwer denn das Rauchverbot bringt
seltsame Blüten zur Entfaltung. Gerade der Zwang für Raucher, von der
Kneipe auf die Straße auszuweichen bringt neue Probleme. Mitunter
bestehen absurde Regelungen – und auf der Wiesn wird der Bierpreis
steigen. In Rheinland-Pfalz und im Saarland wartet die
Politik mit einer Regelung bis zum 15. Februar 2008 ab. Denn im
Karneval sollen die Vereine keine Einbußen verzeichnen müssen, falls
ihre rauchenden Mitglieder der Gaudi lieber fern blieben. Auch in
Nordrhein-Westfalen dürfen die Karnevalisten noch einmal voll
durchziehen. Da freut man sich schon aufs nächste Jahr, wenn Rauchen in
den Prunksitzungen endgültig verboten sein wird. Auch das traditionelle
Bremer Schaffermahl, bei welchem Tonpfeifen gereicht werden, muss keine
Einschränkungen fürchten. Thüringen lässt therapeutisches Rauchen in
Krakenhäusern und im Maßregelvollzug weiter zu. In Sachsen dürfen
Beschuldigte bei einem verhör auf der Polizeiwache dann rauchen, wenn
die Beamten erwarten, dass damit die Geständnisfreudigkeit angekurbelt
werden kann. Anwohner von Schulen, auf deren Gelände das Rauchen
meist nicht erlaubt ist, klagen über Zigarettenstummel im Vorgarten.
Will eine Schule keine Raucherecke einrichten, bleibt der schwarze
Peter bei der Stadt hängen. Doch diese wird Vorgärten und Bürgersteige
im Regelfall nicht reinigen, denn diese sind im Verantwortungsbereich
der Hausbesitzer. Die Verschmutzung steigt auch auf den Straßen vor
Kneipen, denn dort finden die Raucher selten Aschenbecher vor. Auf
Bürgersteigen dürfen diese auch gar nicht platziert werden.
Gastwirte
reagieren nicht selten mit Auslagerungen. Einige Kneipiers stellen den
Stammtischen umgebaute LKW-Anhänger auf den Parkplatz, denn diese sind
vom Rauchverbot nicht betroffen. Andere bauen so um, dass Raucher und
Nichtraucher komplett getrennt werden – auch wenn das die Installation
einer separaten Toilettenanlage bedeutet. Einige versuchen auch, ihren
Gastraum als Nebenraum zu deklarieren, da dort in den meisten
Bundesländern das Rauchen erlaubt bleiben soll. Auch der Trick,
ganzjährig geschlossene Gesellschaften zu führen, wird ausprobiert.
Besonders beliebt sind die Heizpilze, die in der Saison aus dem Boden
sprießen. Dies hat einen unerwünschten Nebeneffekt. Zwar wurde in
vielen Städten die Kneipenkultur durch verkürzte oder weggefallene
Sperrezeiten gefördert, doch nach dem Rauchverbot spielt sich immer
mehr im Freien ab. Dies führt – na klar – zu Anwohnerbeschwerden. Lärm-
statt Rauchbelästigung.
Immer mehr Städte verbieten die
Heizpilze, teils aus ästhetischen Gründen, teils wegen des
Umweltschutzes. Die meisten Kommunen wollen zunächst auf
Stichprobenkontrollen der Lokale verzichten. Dies liegt weniger daran,
dass man den Rauchern entgegenkommen will, sondern weil schlicht und
ergreifend das Personal, respektive die Finanzen, fehlen.
Ach
ja, das Rauchverbot kostet übrigens alle Besucher des Oktoberfestes
etwas. Die Festwirte wollen den Bierpreis erhöhen, um somit die nötigen
Rauchverbots-Kontrolleure zu refinanzieren. Gefunden in POLIXEA |